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Illustration by Christian Hayungs

Mixed Reality: Wenn Realität und Virtualität verschwimmen

Mixed Reality! Vermischte Realität? Schon wieder ein Buzzword für den nächsten großen Hype? Nein, denn wenn das Virtuelle mit dem Realen verschwimmt, entsteht eine neuartige Wahrnehmung, die über Augmented- und Virtual- Reality hinausgeht.

Was ist Mixed Reality?

AR, VR, MR – das kann für Außenstehende verwirrend sein. Dabei sagen die Begrifflichkeiten schon das Wichtigste darüber aus, was sich hinter ihnen verbirgt. Bei Virtual Reality schottet euch eine Brille ab und lässt euch in fremde Welten „abtauchen“. Die echten Umgebungen spielen keine wesentliche Rolle mehr. Anders bei Augmented Reality: Hier wird die echte Realität durch zusätzliche Informationen erweitert. Und sei es nur ein Pokémon in unserem Vorgarten. Mixed Reality könnte man einerseits als Oberbegriff im Reality-Virtuality-Continuum betrachten, so wie es die Forscher Paul Milgram und Haruo Takemura bereits 1994 taten und dem Ganzen einen Namen gaben. Letztlich ist Augmented Reality ein Teil von Mixed Reality, genauso wie auch die Erweiterte Virtualität. Bei dieser verwischen die Grenzen zwischen computergenerierten und wirklichen Inhalten. Und genau das ist es, was wir heute unter MR und entsprechenden Hardware-Lösungen diverser Hersteller verstehen. Setzt eine Brille auf und erlebt, wie in eurer Wohnung plötzlich Roboter, KI-gesteuerte Figuren oder gar Palmen erscheinen. Die eigenen vier Wände bleiben erhalten, digitale Inhalte ergänzen oder überdecken diese teils oder fast vollständig.

Computer-Inhalte in echten Umgebungen. Was Mixed Reality ist, zeigt RoboRaid für Hololens. (Foto: Microsoft)

Computer-Inhalte in echten Umgebungen. Was Mixed Reality ist, zeigt RoboRaid für Hololens. (Foto: Microsoft)

An und für sich ist es nicht möglich und sinnvoll, Augmented Reality und Mixed Reality voneinander zu trennen. Der größte Unterschied ist das Verhältnis zwischen Teilen aus der reinen Realität und Elementen aus der virtuellen Realität. Bei AR ergänzt das künstlich Hinzugefügte unser Wahrgenommenes, bei MR dominiert es das Gesehene. So oder so: Wir reden über fließende Übergänge, nur eines ist MR nicht: Gleichzusetzen mit Virtual Reality. Denn das Reale bleibt immer ein Bestandteil des großen Ganzen.

Aktuelle Beispiele für Mixed Reality

Alles klar? Nicht? Verwirrt? Verständlich. Ein paar zum Teil verfügbare Beispiele zeigen, was Mixed Reality ausmacht und wie es funktioniert. Prominentester Vertreter ist zweifelsohne Microsofts Hololens, bei dem der Software-Konzern vor über zwei Jahren in den bis dato nahezu nicht vorhandenen Markt vorpreschte. Die Brille projiziert durch winzige 3D-Beamer Computer-Inhalte auf Displays vor den Augen. Dem Gehirn wird suggeriert, generierte Möbel oder Haustiere würden sich im Raum befinden. Trotz eines geringen Sichtfelds von unter 50 Grad und einer starken Limitierung der zu berechnenden Inhalte aufgrund des direkt in der Brille befindlichen Prozessors ist Hololens die beeindruckendste Peripherie der Gegenwart. Nur bis zur Serienreife ist es noch ein langer Weg, aktuell zahlen Entwickler noch um die 3000 US-Dollar für ein Exemplar.

Hololens ist Microsofts AR- bzw. MR-Auftakt, der 2017 die nächste Stufe erreicht. Durch ein Windows 10-Update wird Windows Holographic auf Millionen Rechnern weltweit ergänzt. Die Plattform unterstützt spezielle Brillen diverser Hersteller wie Acer, HP oder Dell. Bereits ab 300 US-Dollar soll es losgehen, nicht einmal besonders potente PC-Hardware wird benötigt. Die HMDs der Firmen verfügen beispielsweise über Inside-Out-Sensoren, die Räume scannen, die Daten zum Rechner übertragen und dort mit virtuellen Objekten und Informationen ausgeschmückt werden sowie Grenzen ziehen. Windows Holographic legt sich nicht explizit für eine Richtung fest, sondern möchte AR, VR und MR gleichermaßen bedienen. Auch das zeigt, dass es eigentlich gar nicht nötig ist, strikte Grenzen zu ziehen.

Für Bildung und Beruf

Als MR-Paradebeispiel wird gerne (das zuletzt kritisierte) Magic Leap herangezogen. Kaum jemand weiß etwas über die Technologie, 2017 soll das große Schweigen gebrochen werden. Vermutlich in Form einer Brille dürfen wir uns auf einen Hololens-Konkurrenten für den Massenmarkt freuen. Das US-Startup zeigte auch schon andeutungsweise potentielle Einsatzgebiete. Anschaulich kann Nutzern vorgeführt werden, wie monströs so manche Meeresbewohner sind – das klingt nach Spaß für den Schulunterricht. Genauso aber sind Mehrwerte im Büro denkbar. Virtuelle Displays oder vielleicht sogar Einblendungen von weit entfernt wohnenden Kollegen im virtuellen Konferenzraum – MR lässt viel Spielraum für die kreative Nutzung im Alltag und bei der Arbeit. Spätestens hier muss das Wort Telepräsenz fallen, das einen Teil von Mixed Reality bzw. Erweiterte Virtualität darstellt.

Im Auge solltet ihr unbedingt Project Alloy behalten. Die ohne externe Hardware funktionierende Brille scannt durch RealSense-Tiefenkameras den Raum, in dem man sich frei bewegen kann. Der integrierte Rechner sammelt die Daten, berücksichtigt sogar Gesten-Steuerung sowie Handbewegungen und lässt tatsächlich Realität und Fiktion massiv verschmelzen. In manchen Techdemos bewegen sich Anwender in ihrer Wohnung frei umher, sehen allerdings komplett andere Räumlichkeiten und nur ab und an Teile der Realität. Zum Beispiel die Gesichter anderer Menschen, mit denen sie interagieren können. Das ist insgesamt sehr nah an Virtual Reality, weshalb Intel auch den eigenen Begriff Merged Reality wählte. Frei begehbare, realistische, interaktive 360-Grad-Szenarien sollen in Zukunft möglich sein. So zumindest die Theorie. Derzeit wirkt vieles ziemlich creepy und unfertig, allerdings befindet sich Project Alloy noch in einem recht frühen Stadium.

Auch der Chiphersteller Qualcomm möchte sich zumindest gegenwärtig nicht festlegen, wohin die Reise gehen könnte. VR oder AR? MR? Alles? Durchaus, wie ein Techniker des Unternehmens auf der CES 2017 andeutete. Man geht davon aus, dass wir erst in 30 Jahren die ultimative Brille vor die Augen setzen werden. AR und MR für den Hausgebrauch, VR wenn wir wollen. Bis dahin dürften wir wohl viele Konzepte zu Gesicht bekommen, auch aus dem Hause Qualcomm. Dort existiert mit der VR820 eine VR-Brille, die mit Inside-Out-Tracking und MR-Funktionalität ausgestattet ist. Damit können Räume mitsamt Hindernissen erkannt und berücksichtigt werden. In welcher Form? Das ist abhängig vom geplanten Einsatz.

Die Zukunft

Welche Bedeutung wird Mixed Reality in den kommenden Jahren erhalten? Das ist schwer abzusehen. Blickt ihr auf die Ideen von Microsoft, Intel, Magic Leap, Qualcomm und weiteren Unternehmen, wird deutlich: Bei VR ist noch längst nicht Schluss. Der Weg geht Richtung Augmented- und Mixed Reality. Wie viele „Computerinhalte“ wir 2020 oder 2030 in unsere Gehirne lassen? Unklar. Dagegen ist eines sicher: Wir kommen um die Vermischung von Realität und Virtualität nicht herum. Bei einem Blick auf die Möglichkeiten und Chancen muss das wirklich nicht schlimm sein.

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Tahsin Avci
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