Rocket Labs

Knut’s Seemannsgarn: So entstand der neue Chatbot der Pop Rocket Studios

Faszination Chatbots. Wir von den Pop Rocket Studios beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit der Entwicklung dieser Technologie. Die Arbeiten an unserem eigenen Projekt Knut’s Seemannsgarn begannen vor fast zwei Jahren.

Bereits im Frühjahr 2015 entwarfen wir ein Konzept für ein textbasiertes Spiel, das als App für iOS und Android angedacht war. Zuerst nannten wir die Anwendung Campfire Stories, änderten diesen Namen aufgrund einer eingetragenen Marke jedoch in Briefly. Ziel war es, Nutzern eine Möglichkeit zu geben, gemeinsam in Form knackiger Beiträge eine Kurzgeschichte zu schreiben – leicht inspiriert von den Tweets des Grimme Online Award 2010-Gewinners Tiny Tales. Bei Briefly dagegen stand von Anfang an das Zusammenspiel der User und somit das gemeinsame Verfassen einer Story im Fokus.

Mit Briefly ging es los.

Mit Briefly ging es los.

Aus Briefly wird Knut’s Seemannsgarn

Das ursprüngliche Briefly besaß einen visuellen Stil, bei dem wir das Gefühl vermitteln wollten, virtuell mit der Schreibmaschine auf Papier zu tippen. Viele spannende Ideen flossen in die Anwendung, die wir neben unserem Tagesgeschäft entwarfen. Es war für uns ein Forschungsprojekt, bei dem wir praktisch herausfinden wollten, wie wir mit Webtechnologie schicke Mobile Apps entstehen lassen können. Wir stießen bei der Umsetzung allerdings an technische Grenzen, die unser Haptik-Konzept torpedierten. Wir pausierten die Entwicklung, griffen aber später – genauer im Mai 2016 – die Spielmechanik wieder auf. Denn wir stellten fest, dass Briefly eine hervorragende Basis für einen Chatbot für den Facebook Messenger war. Zu diesem Zeitpunkt waren wir ohnehin bestrebt, mit dem Trendthema im Rahmen unserer Rocket Labs-Projekte frühzeitig experimentieren zu wollen. Und so wurde aus der nie abgeschlossenen App nach und nach unser erster eigener Chatbot.

Basierend auf Briefly entstand in den darauffolgenden Monaten der erste Storytelling-Chatbot für den Facebook Messenger. Von Mai bis Juli 2016 programmierten wir das Bot-Interface, welches Nutzer kooperativ Kurzgeschichten schreiben, diese lesen und bewerten lässt.
Ebenfalls änderten wir einen elementaren Aspekt: das Setting, da uns der Hintergrund von Briefly für einen Chatbot doch etwas zu unpersönlich erschien. Ein Chatbot chattet nun einmal. Und da braucht es etwas mehr Persönlichkeit. So wurde der hanseatische Seebär Knut geboren, der mithilfe der Beiträge der Spieler Seemannsgarn erzeugt.

Aus Briefly wurde Knut's Seemannsgarn.

Aus Briefly wurde Knut’s Seemannsgarn.

Das ist Knut’s Seemannsgarn

Knut’s Seemannsgarn ist ein Chatbot, der bislang ausschließlich im Facebook Messenger verwendet wird. Unser fiktiver Charakter hilft dabei, kreative Kurzgeschichten zu erfinden. Sechs zufällig ausgewählte Teilnehmer eines Chats schreiben nacheinander einen Teil einer Story auf. Jeder Autor schreibt besagte 250 Zeichen auf, nach dem Verfassen ist der nächste Spieler an der Reihe. Sobald alle „Episoden“ der Geschichte beisammen sind, steht diese komplett sowie visuell ausgeschmückt zur Verfügung und kann öffentlich begutachtet, geteilt und bewertet werden.

Bevor wir uns final entschieden, unternahmen wir bei den Mechaniken einige Versuche. So erhöhten wir die Zeichenzahl jeder Episode von 140 auf 250 Zeichen, da es so leichter ist, einen spannenden Beitrag zu verfassen. Ebenso modifizierten wir das Spielprinzip weg von unserem ursprünglichen „Stille Post“-Konzept, sodass der Spieler nun doch alle vorherigen Posts sehen darf. Sie zu verbergen war für einige Schreiber zu herausfordernd. Denn es führte zu unbrauchbaren Resultaten, sodas die Verläufe der Geschichten für die Leser keinen Sinn mehr ergaben.

Eine fertige Geschichte.

Eine fertige Geschichte.

Auch außerhalb von Facebook kann die beste Geschichte des Tages unter knut.poprocket.com angeschaut werden. Als besonderen Clou bereiten wir gerade eine „Amazon Alexa Skill“ vor, durch die man sich die besten Stories von Amazon Echo vorlesen lassen kann. Die Testversionen mit Alexa klingen wirklich gut. Wir freuen uns, dieses Feature bald anbieten zu können.

Knut unterstützt die Spieler durch seine unterhaltsame Art – und das, obwohl er natürlich ein Bot ist. Um den User bestmöglich durch den Chat zu führen bietet ihm Knut sogenannte Quick Replies an, durch die die Spieler nicht einmal selber tippen müssen, sondern anhand vorgefertigter Antworten schnell auswählen können.

Chatbot für den Facebook Messenger

Eine umfangreiche Anwendung wie Knut’s Seemannsgarn offenbart in einem Chatfenster jedoch auch seine Grenzen. Dem Nutzer stehen für eine Geschichtsepisode nur 250 Zeichen zur Verfügung. Der Facebook Messenger zeigt allerdings nicht, wie viele Zeichen er bereits getippt hat. Dadurch kann es passieren, dass mehr geschrieben wird, als wir es technisch limitiert aufnehmen können. Aus diesem Grund präsentieren wir dem User den Text noch einmal, bevor wir ihn speichern. Im Zweifelsfall kann das Geschriebene angepasst werden.

Seemannsgarn entsteht im Messenger.

Seemannsgarn entsteht im Messenger.

Möchten Spieler ihre Geschichten mit anderen teilen, können sie auf eine schicke Share-Funktion zurückgreifen. Bei dieser wird die Story auf ein vorgefertigtes Template gerendert, was eine bessere Verbreitung erlaubt.

Knut’s Seemannsgarn ist ein Beispiel für ein unterhaltendes Einsatzgebiet eines Chatbots. Deutlich werden hier die Vorzüge. So muss keine separate App installiert werden, stattdessen wird das Programm direkt im Messenger gestartet, der auf Millionen mobilen Geräten installiert ist oder am Rechner im Browser direkt bei Facebook zur Verfügung steht. Unser Bot verdeutlicht zudem das Potential für andere Bereiche – zum Beispiel im Service- oder Shopping-Sektor. Mit dem richtigen Ansatz schaffen Chatbots hilfreiche Mehrwerte und eine gute Unterhaltung.

Knut’s Seemannsgarn könnt ihr unter https://m.me/KnutsSeemannsgarn selbst ausprobieren.